Wo sind Sie automatisch Organspender

Wo sind Sie automatisch Organspender?

Die Auseinandersetzung mit der Thematik “Organspende” ist sicherlich gerade jetzt kein angenehmes Thema …

Denn jetzt ist sie ja schließlich da, die schöne und unbeschwerte Zeit des Jahres: die Urlaubszeit. Man findet Muße für sich selbst, unternimmt lange Wanderungen und Spaziergänge. Endlich können Sie Zeit mit Ihrer Familie verbringen, ohne dabei ständig auf die Uhr gucken zu müssen. Keine Stundenpläne, keine Dienstzeiten! Urlaubszeit heißt für viele Familien: Wegfahren, neue Eindrücke sammeln, neue Erfahrungen machen. Das Leben genießen und einfach mal nur leben! Viele Menschen verreisen gerne ins Ausland, Sie womöglich auch.

Urlaubsvorbereitungen

An was alles müssen Sie vorher denken, was ist im Vorfeld zu erledigen? Wenn Sie in den Urlaub fahren, denken Sie wahrscheinlich u. a. daran, wer die Pflanzen versorgt während Ihrer Abwesenheit. Wer die Post aus dem Briefkasten holt und wer den geliebten Stubentiger versorgt oder zu sich nimmt. Sie treffen die richtige Auswahl an koffertauglicher Garderobe und packen Ihre Sommerkleider ein. Sie buchen – wenn nicht schon geschehen – Ihre Bahn- oder Flugtickets. Führt die Reise ins Ausland, darf ein schneller Check auf das Gültigkeitsdatum des Passes nicht fehlen! Die Kinder sind aufgeregt, alle freuen sich auf die gemeinsamen Ferien! Zwei oder drei Wochen entspannte Zeit auf den Kanaren, in den Masuren, auf den Azoren – oder in Dänemark, wenn Sie mehr ein Fan des Nordens sind. Auf jeden Fall Urlaubsfreude pur!

Worum die meisten Menschen sich hingegen nicht kümmern: Dass im traurigen Fall eines Falles in anderen Ländern andere Organspende-Regeln herrschen. In vielen anderen Staaten wird man automatisch Organspender, wenn man kein Dokument mit sich führt, in dem ausdrücklich steht, dass man dies nicht möchte … Der heutige Blog soll Ihnen darüber Aufschluss geben, wo es unter Umständen zu großen Problemen kommen kann, wenn das Unaussprechliche geschieht.

Traurige Tatsache

Im Urlaub verunglücken leider immer wieder Touristen. Entweder beim Schwimmen im Meer oder bei Wanderungen auf Wegen, deren Steigungen man normalerweise nicht gewöhnt ist. Einige Urlauber muten sich manchmal zu viel zu. Wer beispielsweise einmal den Jakobsweg in Spanien gewandert ist, wird am Wegesrand immer wieder Gräber von verunglückten Pilgern finden.

Im Urlaub kann man sich schnell überschätzen und bezahlt unter Umständen hierfür einen hohen Preis. Zur Trauer hinzukommend, müssen sich die Angehörigen oft noch damit auseinandersetzen, dass der tödlich Verunglückte als Organspender herangezogen wird. Auch wenn dies nicht gewünscht wurde.

Unterschiedliche Länder, unterschiedliche Lösungen

In Deutschland gilt zurzeit (noch!) die sogenannte Entscheidungslösung. Diese besagt, dass der Verstorbene zu Lebzeiten einer Organentnahme zugestimmt haben muss. Im Ausland geht man mit der Thematik teilweise ganz anders um. In einigen Ländern kann man zum Organspender werden, selbst wenn man dem nie zugestimmt hätte!

In Staaten wie Belgien, Schweden, Frankreich, Italien, Österreich, Spanien und Slowenien hingegen gilt die Widerspruchslösung. Jeder kann dort unfreiwillig zum Organspender werden, wenn er dem zu Lebzeiten nicht widersprochen hat – beispielsweise via Eintrag im Zentralregister.

Somit ist es von enormer Wichtigkeit, sich bereits vor dem geplanten Auslandsaufenthalt über die geltenden Regelungen des jeweiligen Urlaubslandes zu informieren. Beziehen Sie auch in jedem Fall die Länder Ihrer Durchreise mit ein! Mit einem Organspendeausweis samt zugehörigen Beiblatt sind und bleiben Sie auf der sicheren Seite!

Andere Länder, andere Sitten

Befindet man sich im Ausland, so gilt im Todesfall das jeweilige Landesgesetz zur Organspende. Die Nationalität des verstorbenen Urlaubers spielt hierbei tatsächlich keine Rolle. Verunglückt jemand tödlich beim Wandern oder Skifahren, so wird er nach den gesetzlichen Regelungen des jeweiligen Staates behandelt.

Was können Sie tun?

Wappnen Sie sich mit Wissen. Wenn Sie ins Ausland reisen und nicht automatisch Organspender werden möchten, tragen Sie stets eine Willensbekundung bei sich. Sind Sie in einem bestimmten Land häufiger zu Gast, können Sie sich dort in das vorhandene Widerspruchsregister eintragen lassen. Sinnvoll ist in jedem Fall, den deutschen Organspendeausweis mit Widerspruch bei sich zu tragen. Über die Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden Sie ihn als PDF zum Download in 28 Sprachen. Sie können ihn für jedes Familienmitglied ausdrucken und ausgefüllt Ihren Ausweisdokumenten beilegen.

In diesen europäischen Ländern gilt die Widerspruchsregelung. Hier sind Sie (in alphabetischer Reihenfolge) automatisch Organspender:

  • Belgien, Bulgarien
  • Estland
  • Finnland, Frankreich
  • Griechenland
  • Irland Italien
  • Kroatien
  • Lettland, Liechtenstein, Luxemburg
  • Malta
  • Norwegen
  • Österreich
  • Polen, Portugal
  • Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien
  • Tschechien, Türkei
  • Ungarn

In Deutschland gilt der Zeit noch die Entscheidungslösung, die Politik arbeitet jedoch bereits an einer Neuregelung.

In den Niederlanden gilt derzeit noch die Zustimmungslösung, die aber Mitte 2020 von der Widerspruchslösung abgelöst wird.

Eine Erweiterte Zustimmungslösung gilt in Dänemark, Island, Litauen, Niederlande, Rumänien, Schweiz, Vereinigtes Königreich von Großbritannien.

Bulgarien geht sogar noch einen Schritt weiter. Haben Sie sich Bulgarien als Reiseziel ausgesucht, so sollten Sie wissen, dass es dort die sogenannte Notstandsregelung gibt. Im Klartext bedeutet dies, dass „im Notstand“ auch bei vorliegendem Widerspruch eine Organentnahme erlaubt ist…

Kleines Glossar:

Zustimmungslösung: Hier dürfen Organe nur dann entnommen werden, wenn Sie zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt haben.

Erweiterte Zustimmungslösung: Haben Sie keine Erklärung hinterlassen, so wendet man sich an Ihre nächsten Angehörigen, die in Ihrem Sinne über eine Organspende entscheiden sollen.

Entscheidungslösung: Die Entscheidungslösung ist eine Abwandlung der erweiterten Zustimmungslösung. Hier finden Sie von Zeit zu Zeit Post mit Informationen in Ihrem Briefkasten, um sich Ihre eigene Meinung zu bilden. Sie können sich für oder gegen eine Organspende entscheiden.

Widerspruchlösung: Hat man zu Lebzeiten einer Organspende nicht ausdrücklich widersprochen und dies beispielsweise in ein Widerspruchsregister hat eintragen lassen, dürfen Organe zur Transplantation entnommen werden. Einige Ländern räumen Angehörigen das Recht ein, einer Organentnahme zu widersprechen, wenn man keine Erklärung/Entscheidung abgegeben hat.

Sorgen Sie vor

Der Verein “Kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V.” (KAO) empfiehlt, sich rechtzeitig vor dem Auslandsaufenthalt über die jeweiligen landesinternen Organspende-Regelungen zu informieren. Darum: Sorgen Sie im Urlaub vor und bedenken Sie auch kurz diesen unangenehmen Punkt. Sichern Sie sich vorher rechtlich ab, um ganz unbesorgt sein zu können. Es lohnt sich, wenn Sie sich an dieser Stelle wenigstens einmal kurz Gedanken machen. Haben Sie entsprechende Vorkehrungen getroffen, ist das Thema auch schon wieder vom Tisch.

Fakt ist, dass Ihr Urlaub eine wunderschöne und unbeschwerte Zeit werden soll – und auch wird! Sie kommen rundherum erholt und mit neuen Eindrücken und Ideen wieder nach Hause.

In diesem Sinne, haben Sie eine gute Zeit und genießen Sie Ihre Ferien!

Bis zum nächsten Mal!

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