Waldrodung für Windparks

Liebe Blogleser*innen, wohin man auch fährt, an Ihnen kommt niemand vorbei: Windkrafträder. Diese oft imposanten schlanken Bauten mit ihren Rotoren finden sich zunehmend häufig in der Landschaft. Reisen Sie per Bahn oder sind Sie im Auto unterwegs, kommen Sie wenigstens an einem – oder mitunter auch an mehreren Windparks vorbei. Wie riesige Pilze scheinen sie aus dem Boden zu schießen! Ihnen haftet der Ruf an, uns Endverbraucher mit „sauberem“ Strom zu beliefern. Sie transportieren einen Hauch von „Umweltfreundlichkeit“ und belasten das Gewissen der Stromkunden nur wenig. Sicherlich ist Windkraft nicht vergleichbar mit Atomenergie, dennoch hat auch sie ihre Schattenseiten. Diese Schattenseiten wollen wir im heutigen Blog ein wenig näher beleuchten und beschäftigen uns mit der Waldrodung für Windparks.

Rodung von alten Baumbeständen

Im vergangenen Jahr konnte man der Presse noch täglich Schlagzeilen zur Rettung des hessischen Hambacher Forsts entnehmen. Dieses Stück Wald sollte dem Braunkohletagebau zum Opfer fallen – ein Stück Natur mehr sollte dem Erdboden gleichgemacht werden.

Umweltaktivisten besetzten den Wald und lieferten sich regelrechte Gefechte mit der Polizei. Doch hört und liest man kaum etwas über Proteste gegen eine Abholzung großer Waldflächen für den Bau von Windkraftanlagen. Betroffen ist in diesem Fall das größte geschlossene Waldgebiet von Hessen, welches über Jahrhunderte hinweg zu einem wichtigen Lebensraum für Wildtiere gewachsen ist. In diesem Wald stehen beispielsweise uralte Eichen, welche diesem schönen Flecken Erde den Charakter eines Urwaldes verleihen. Doch genau dieser Wald soll nun über weite Areale hinweg mit Windenergieanlagen bebaut werden. In den Wald werden tiefe Schneisen geschlagen, um enorme, mit Steuergeldern subventionierte Windanlagen zu errichten.

Trauriges Beispiel: Der Reinhardswald in Hessen

So soll 2020 eine der schönsten (Ur)Waldlandschaften, der Reinhardswald in Hessen, für die bisweilen höchsten Windradanlagen zerstört werden, mit dem Segen von Grünen und CDU. 20 gigantische Windräder für den Windpark im Reinhardswald sind bereits bestellt, im Oktober 2020 soll voraussichtlich mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Sie sollten den Reinhardswald unbedingt besuchen, solange er noch in seiner derzeitigen Form vorhanden ist. Er ist ein Ort der Märchen, Legenden und Sagen und wird tatsächlich auch als „Märchenwald“ bezeichnet. Das „Dornröschenschloss“ Sababurg hat ihn populär gemacht. Seit Jahrhunderten ist dieser Wald weitestgehend unbewohnt, sein Umland weist nur eine spärliche Besiedelung auf. Seine höchsten Berge finden Sie im Atlas unter „Staufenberg“ (472,2 m) und „Gahrenberg“ (472,1 m). Der Windpark wird den Wald nicht nur durch Abholzung schädigen, er wird zudem das Gesamtbild verschandeln, denn die 20 Windräder, die errichtet werden sollen, haben tatsächlich eine Höhe von 166 (!) Meter pro Stück, die Rotoren einen Durchmesser von jeweils 150 Meter!

Zerstörung von Kulturlandschaft

Eine wunderschöne gewachsene Kulturlandschaft wird somit zerstört. Eine Schneise der Verwüstung in Breite einer Autobahn (für gigantische LKW) wird geschlagen, damit tonnenweise Zement und Windradteile in den Wald gefahren werden können. Mit seiner über 200 Quadratkilometer großen Fläche zählt der Reinhardswald (noch) zu einer der größten, in sich geschlossenen Waldflächen in Deutschland, sein Baumbestand umfasst (wie bereits erwähnt) unter anderem uralte Eichen sowie Buchen.

Die Schäden in der Natur werden nicht minimal, sondern nachhaltig sein! Es braucht schließlich Tonnen von Zement, um die hohen Windkrafträder standfest in Sockel zu gießen. Durch die Rotoren der Windräder ist der Wald einer ständigen Geräuschverschmutzung ausgesetzt. Aufgrund der permanenten Drehbewegung entsteht Infraschall; ein permanentes Summen wird zu hören sein…

Setzt man Menschen dieser Dauerberieselung aus, kann dies Bluthochdruck, Schlafstörungen sowie Kopfschmerzen auslösen. Man kann also davon ausgehen, dass hiermit auch das natürliche Gleichgewicht von Flora und Fauna empfindlich gestört wird. Führt diese Dauer-Geräuschkulisse bereits bei Stalltieren in der Landwirtschaft zu Nervosität sowie einer Verminderung der Fruchtbarkeit, ist davon auszugehen, dass es bei Wildtieren nicht anders sein wird! Betroffen hiervon werden Greifvögel wie der Rote Milan, Mäusebussard und Seeadler sein – aber auch Fledermäuse, Hirsche und Rehe, etc.

Hinzu kommt, dass Greifvögel keine Scheu vor den Rotorblättern haben und somit Windrädern häufig zum Opfer fallen. Kommen beispielsweise Eltern-Tiere während der Brutzeit um, bedeutet dies auch das Ende für den Nachwuchs in den Nestern…

„Nutzfläche“

Doch Waldlandschaft wird offenbar nur noch als zu bewirtschaftende „Nutzfläche“ betrachtet und nicht mehr als natürlicher Lebensraum, der für alle Lebewesen wichtig ist. Bäume scheinen der modernen Technik im Weg zu stehen, Interessen rund um den Profit werden höher gewichtet als der Schutz von natürlichem Lebensraum. Gleichzeitig beklagt man sich, dass es immer weniger Insekten gibt und dass ganze Tierarten verschwinden. Doch zieht man hieraus eine echte Lehre – und möchte man dies überhaupt?

Tatsache: Wir brauchen mehr Bäume!

Am sinnvollsten wäre es natürlich, zunächst den alten Baumbestand zu erhalten. Gleichzeitig sollten neue Bäume als Mischwald gesetzt und der Wald vernünftigerweise wieder als unser aller grüne Lunge wahrgenommen werden. Wann immer es unsere Zeit erlaubt, ist es nur gesund und richtig, regelmäßig einen Wald aufzusuchen. Allein das Einatmen des gesunden Mikroklimas stärkt unseren gesamten Organismus. Wann waren Sie zuletzt im Wald unterwegs und haben tiefe Atemzüge getankt? Wann haben sie zuletzt die von Harz und Pilzmyzel durchdrungene Luft genossen und sich augenblicklich frisch und vitaler gefühlt? Und wussten Sie, dass Bäume miteinander kommunizieren?

TV-Tipp

Bäume jedenfalls sind für die Waldrodung für Windparks viel zu kostbar! Wenn Sie mehr über den spannenden Lebensraum Wald und über Bäume wissen möchten (und dass ein Wald so viel mehr ist als eine profitbringende „Holzfabrik“), dann lassen Sie sich inspirieren. Erfahren Sie etwas über das „Wood Wide Web“ – eine wunderbare Doku über Bäume, Wald und Pilze!

Bleiben Sie gesund – bis zum nächsten Mal!

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