Superfoods und ihre regionalen Alternativen

Sind Superfoods die ultimativen Lebensmittel? Chia-Samen, Goji-Beeren, Acai-Beeren, Baobab, Maca, Quinoa und Goringa – das sind sehr wohlklingende Namen für Lebensmittel, die noch relativ jung auf dem heimischen Markt sind. Zusammengefasst werden sie unter dem Begriff „Superfoods“. Meist natürliche und exotische Lebensmittel, die lt. Anbietern jedoch einen größeren Anteil an Vitaminen und Mineralstoffen enthalten sollen, wie regionale Lebensmittel. Oft erhält man sie in getrockneter Form, als Extrakt oder Püree, aber auch als Zutat, beispielsweise in Brot mit Chiasamen.

Das sogenannte „Superfood“ bezeichnet also Lebensmittel mit besonderen Eigenschaften, z. B. sind sie sehr gesund und versprechen ein vitaleres und längeres Leben, was zunächst einmal sehr positiv klingt. Die Schattenseite: Sie sind häufig mit Schadstoffen belastet, meist nicht gerade preisgünstig und müssen über lange Wege importiert werden. Das geht mit einer höheren CO²-Belastung einher.

Das Marketing macht‘s

Nun ist „Superfood“ zunächst einmal ein reiner Marketingbegriff, welcher bestimmten Lebensmitteln Gesundheitsvorteile zuschreibt. Unser heimischer Markt jedoch bietet uns bereits seit sehr langer Zeit einen reich gedeckten Tisch mit hervorragenden Lebensmitteln. Z. B. Sanddorn, Leinsamen und Hafer können mit jedem modernem Superfood mithalten und sind zudem sehr preiswert zu haben. Zu ihren gesundheitsfördernden Eigenschaften kommt hinzu, dass sie allesamt regional erhältlich sind, nicht importiert zu werden brauchen und damit das Klima schonen. Es scheint dennoch fast ein bisschen so, als würden bewährte Klassiker in den Hintergrund geraten.

Regional vs. Import

Jedes moderne und exotische Superfood hat einen einheimischen „Zwilling“. Auf Anhieb fallen mir (anstelle der Goji-Beere) neben Sanddorn, Leinsamen und Hafer noch Hagebutten und Heidelbeeren ein. Bleiben wir zunächst beim Sanddorn. Sanddorn ist besonders im Raum der Ostsee beheimatet, er erfreut sich großer Beliebtheit in Säften, Fruchtaufstrich, in Likören, etc. Sanddorn hat einen enormen Anteil an Vitamin C. Geht man auf Usedom oder auf dem Darß spazieren, findet man im Küstenbereich viele Sanddorngewächse. Wer die Beeren einmal roh gekostet hat, weiß, wie Vitamin C schmeckt! Sanddorn enthält aber auch B-Vitamine, Vitamin E und ist reich an Omega-3-Fettsäuren!  Er ist gut für die Haut und hält reife Haut länger frisch und jugendlich. Die Früchte sind roh genießbar und können ruhig zwischendurch als kleiner Snack gegessen werden. Manch einer ist mit Sanddorn schon unbeschadet durch die Grippewelle gekommen.

Regionales Superfood

Ob Sie Chia-Samen oder Leinsamen kaufen, merken Sie in erster Linie in Ihrem Geldbeutel: Leinsamen sind unglaublich preisgünstig. Auch haben Untersuchungen ergeben, dass Chia-Samen mit Schadstoffen belastet sein können, weswegen der Kauf von Leinsamen Ihnen einen weiteren gesundheitlichen Pluspunkt bietet. Leinsamen sind so gesund und eigentlich das perfekte, regionale Superfood! In ihnen stecken gesunde Omega-3-Fettsäuren. Unser Körper braucht ja mehrfach ungesättigte Fettsäuren und ist nicht in der Lage, diese selbst zu produzieren. Am besten wirken Leinsamen, wenn man sie zuvor etwas im Mörser zerreibt oder schon geschrotet kauft. Eine gute Alternative bietet zudem das Leinöl, welches sehr reichhaltig an wertvollen Omega-3-Fettsäuren ist und wichtig für den Zellstoffwechsel. Es erhält unsere Abwehrkräfte und kann sich sehr positiv auf entzündliche Erkrankungen auswirken, z. B. Arthritis, Rheuma und.

Am besten wenig sitzen …

Wer in klassischen „Sitzberufen“ arbeitet, dem bieten Leinsamen mit ihrem hohen Anteil an Ballaststoffen eine hervorragende Verdauungshilfe. In den Ballaststoffen befinden sich Quellstoffe, die in Kombination mit Wasser aufgehen und die Darmtätigkeit anregen. Haben Sie hin und wieder Probleme mit Ihrer Verdauung, dann greifen Sie zu Leinsamen, sie lindern Koliken und Entzündungen und können Verstopfungen lösen. Wichtig ist, dass Sie immer ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, damit sich der positive Effekt nicht umkehrt und zu Verstopfung führt.

Hagebutten

Gojy-Beeren erinnern ein wenig an getrocknete Hagebutten. Wenn Sie gerne in der Natur spazieren gehen, werden Sie bei einigen Spaziergängen bestimmt schon Hagebuttensträucher entdeckt haben, meist in voller Frucht. Niemand pflückt sich welche – schade eigentlich! Hagebuttentee, Hagebuttenmarmelade, die Hagebutte bietet uns viele Vitamine und ist sehr gesund. Die Beere enthält ca. zehnmal mehr Vitamin C als Zitronen – und zudem die Vitamine A und K, Riboflavin, Niacin, sowie ätherische Öle. Wenn Sie im Herbst unterwegs sind, dann pflücken Sie sich ruhig welche und nehmen Sie welche mit nach Hause. Von unseren heimischen Wildfrüchten haben sie den höchsten Gehalt an Vitamin C. Aufgrund ihrer Inhaltsstoffe können Hagebutten uns z. B. bei Erkältungen und Gelenkschmerzen sehr hilfreich sein. Ihre leuchtend rote Farbe erhält sie durch Lycopin, welches sich auch in Tomaten befindet. Es hat eine stark antioxidative Wirkung.

Was sind Antioxidantien?

Der Begriff „Antioxidantien“ begegnet uns häufig. Am besten erklärt man es mit einer angeschnittenen Banane oder einem Apfel. Beide oxidieren an der Luft und werden braun. Beträufeln Sie die Schnittstelle mit z. B. Zitronensaft, bleiben die Schnittstellen hell und frisch. Ähnliches geschieht in Ihrem Körper. Viele heimische Früchte haben eine sehr positive Wirkung auf Ihren Körper. Außerdem wissen Sie eher, wo die Ware herkommt und was Sie essen.

Heidelbeeren

Acai-Beeren – oder regionale Heidelbeeren? Sie können Heidelbeeren getrocknet im Müsli genießen oder frisch naschen – sie schmecken immer gut! Entgegen früherer Zeiten scheinen sie aber die Zähne nicht mehr so blau zu färben. In der Kindheit war es immer ein großer Spaß, sich gegenseitig mit blauen Zähnen anzulachen oder die blaue Zunge herauszustrecken. Kleine Nebenbemerkung und off topic: „Bluetooth“ wurde tatsächlich nach dem dänischen König Harald Blauzahn benannt, der sehr gerne und häufig Blaubeeren aß, wie Heidelbeeren auch genannt werden – und entsprechend häufig blaue Zähne hatte.

Was können Heidelbeeren? Sie sind reich an Antioxidantien, in ihnen stecken sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole. Diese stoppen freie Radikale, welche zellschädigend wirken und am Alterungsprozess mitbeteiligt sind – aber auch an entzündlichen Vorgängen im Körper. Heidelbeeren wirken also gegen oxidativen Stress, der im schlimmsten Fall Krebs auslösen kann. Der blaue Farbstoff in der Schale der Frucht ist es, der die Heidelbeere so gesund macht. Und die in den großen und hellen Kulturheidelbeeren vorkommende Pterostilbene können Ihren Cholesterinspiegel senken.

Quinoa vs. Hafer

Quinoa scheint als Superfood „in aller Munde“ zu sein, es kommt aus Südamerika und ist auch wirklich gesund, unser heimischer Hafer steht dem jedoch in nichts nach. Dass Haferflocken sehr gesund sind, weiß man schon lange, sie gehören sogar zu den gesündesten Lebensmitteln überhaupt! Arm an Gluten versorgen sie uns mit wichtigen Vitaminen, Mineralien, Ballaststoffen und – auch hier wieder – mit Antioxidantien. Ob roh genossen oder gekocht zu Porridge, Hafer macht satt, ist sehr preisgünstig und kommt aus der Region.

Gesund und gleichzeitig preiswert leben

Weitere (preiswerte) Superfood-Klassiker aus dem regionalen Bereich bieten Ihnen Trockenfrüchte wie Apfelringe, getrocknete Pflaumen und Aprikosen, aber auch frische Kirschen.

Richten Sie Ihren Einkaufszettel am besten nach Saison aus und greifen Sie hier zu Lebensmitteln, die besonders reichhaltig an sekundären Pflanzenstoffen sind. Z. B. Rettich, Kohl, Hülsenfrüchte; oder Zwiebelgewächse wie Porree, Schnittlauch, Lauch, Knoblauch und die Zwiebel selbst. Halten Sie sich fit mit nativen Pflanzenölen wie Leinöl, knabbern Sie Kerne und Nüsse. Alles gibt es preiswert und regional zu kaufen.

Auf den Punkt gebracht:
Probieren Sie
  • Leinsamen anstatt Chia-Samen
  • Schwarze Johannisbeeren, Hagebutten und Sanddorn anstatt Goji-Beeren
  • Blaubeeren/Heidelbeeren anstelle von Acai-Beeren
  • Hafer (oder Hirse) anstelle von Quinoa
Last but not least:

Schwarzer Holunder – man kann schon ein bisschen das Gefühl bekommen, dass, wenn etwas nichts kostet, ihm auch kein wirklicher Wert beigemessen wird. Bei Holunder ist das zumindest so, er wächst überall, oft in der Nähe von Häusern. Er hängt meistens voll mit reifen wertvollen Holunderbeeren, trägt uns die Beeren quasi bis an die Tür hinterher – die aber fast niemand pflückt. Auch in Holunder befinden sich wertvolle Antioxidantien – aber Vorsicht: Die Beeren sollten besser nicht roh gegessen werden, erst recht nicht von Kindern, weil sie sonst starke Verdauungsprobleme hervorrufen können. Der Holunder zählt als „schwach giftig“, durch Kochen verlieren die Beeren aber (ähnlich der Grünen Bohne) ihre Giftigkeit. Holunder sollten Sie stets wirklich reif ernten, er eignet sich gekocht hervorragend als Zutat für Ihre selbstgekochte Marmelade – oder als immunstärkender Saft in der Erkältungszeit.

Gratis-Buffet

Möchten Sie sich beim Spaziergang ein bisschen gratis durch die Natur essen? Dann probieren Sie im Frühjahr Bärlauch, den Knoblauch des Waldes. Zu Herbst und Winter kosten Sie Schlehen. Aber erst nach dem ersten Frost, sonst sind sie zu sauer. Und wenn Sie sich in Ihrem Garten mal wieder über Ihren sehr wachsfreudigen Giersch ärgern, essen Sie ihn!  Er ist reich an Eisen, Kalium, Calcium, Vitamin C, Magnesium, Vitamin A, Eiweiß und sekundären Pflanzenstoffen. Ein kostenloses Superfood.

Bis zum nächsten Mal – und lassen Sie es sich gutgehen!

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