Schöne umweltfreundliche E-Mobilität

Schöne, umweltfreundliche E-Mobilität?

Schöne, umweltfreundliche E-Mobilität – das E-Auto wird derzeit als Allheilmittel in der Mobilitätsfrage angesehen. Keine schädlichen Abgase mehr, keine Lärmbelästigung; der Wagen schnurrt umweltfreundlich wie ein Kätzchen durch die Straßen. Werbespots hierzu versprechen uns die heile intakte Natur. Alles grünt und blüht, die Luft ist klar und sauber! Und auf fast leeren Straßen fährt unser sauberes Elektromobil in den goldenen Sonnenuntergang… Aber ist E-Mobilität wirklich so schön und umweltfreundlich, wie uns die Hochglanzbroschüren glauben machen wollen?

Wie sieht es in der Realität aus? Das Elektrofahrzeug ist ja kein Perpetuum-Mobile und muss aus irgendetwas seine Energie ziehen… Um überhaupt in den Fahrgenuss zu kommen, braucht es Batterien/ Akkus, die natürlich entsprechend groß und schwer sind. Mit Knopfzellen kommen wir hier nicht weiter 😉

Bedenkliche Herstellung

Bereits die Produktion der Fahrzeuge ist nicht unbedenklich. Um leichte Karosserien zu erhalten, braucht man in der Fertigung enorme Mengen an Aluminium, welches zuvor aus Bauxit gewonnen werden muss. Bauxit kommt als Bodenschatz hauptsächlich im tropischen Gürtel rund um unseren Äquator vor. Um an die bauxithaltigen Erdschichten zu gelangen, bedarf es schwer in die Natur eingreifende Maßnahmen! Der Oberboden mitsamt der auf ihm wachsenden Vegetation wird abgetragen, hierzu werden gigantische Räumungsmaschinen eingesetzt. Auf Flora wie auch auf Fauna wird hierbei keinerlei Rücksicht genommen. Unzählige Tiere und Pflanzen werden vernichtet. Nach der Rodung wird die darunter liegende Erzschicht zerkleinert und von Sand, Kalkstein und Ton getrennt. (Sie können sich vorstellen, dass für die Ausbeute von Bauxit auch tropische Wälder gerodet werden?) Durch diesen aggressiven Abbau wird der Boden massiv gestört und für jeglichen weiteren landwirtschaftlichen Anbau unbrauchbar gemacht.

Giftige Hinterlassenschaften

Der „umweltfreundliche Spaß“ geht weiter, denn um das Bauxit zu waschen, werden große Mengen an Wasser benötigt. Zurück bleibt eine giftige Brühe, der gefürchtete Rotschlamm. Eine mit Blei, Kadmium, Quecksilber, Schwermetallen, Chromaten, Vanadaten und Arsen angereicherte ätzende Lauge mit PH-Wert 13. Für den Amazonas bedeutet dies beispielsweise Fisch- und Pflanzensterben sowie verdorbenes Trinkwasser. Trauriges Ergebnis: Für jede Tonne Aluminium gelangen anderthalb Tonnen des giftigen Rotschlamms in die Natur und verbleiben dort Denn um eine anschließende Sanierung kümmert sich… richtig, niemand! Die Verantwortlichen schon gar nicht.

Vergleichen wir einmal: Für die Herstellung einer Tonne Aluminium benötigt man zehnmal mehr Energie als für die Herstellung derselben Menge an Stahl in der bislang regulären Autoproduktion! Der Bedarf an Energie für die Aluschmelze ist somit immens und benötigt weiterhin neue Kraftwerksprojekte und Staudämme.

Nachfolgende Aspekte

Kausal betrachtet sind damit weitere schwere Eingriffe in die Natur nötig, allein in Brasiliens Norden wird der Rio Xingo (ein Nebenfluss vom Amazonas) auf 516 km² gestaut. Traurigerweise werden für unseren „umweltfreundlichen Fahrspaß“ 40.000 indigene Menschen zwangsumgesiedelt. Regenwald und Ackerland verschwinden, Wasserlebewesen sterben aus, Trinkwasser wird hochgiftig. (Man kann sich durchaus die Frage stellen, wieso im letzten Jahr der Regenwald an so vielen verschiedenen Stellen in Flammen stand…) Dieses traurige Schauspiel ist übrigens nicht nur in Südamerika zu beobachten, China, Afrika und Indien zeichnen ein ähnliches Bild.

Mit der Herstellung der Karosserien ist die Sache aber noch nicht abgeschlossen – auch E-Fahrzeuge brauchen Energie, um vorwärts zu kommen. Benötigt werden also zusätzlich immense Mengen an Strom, denn der Kraftstoff kommt aus der Steckdose. Von nichts kommt nichts…

Lithium-Batterien im Elektroauto

Auch die Batterien, die im E-Auto zum Einsatz kommen, sind äußerst bedenklich! Der Abbau von Lithium ist sehr intensiv im Wasserverbrauch, zudem kommt bei der Produktion Cobalt zum Einsatz. Beide Ressourcen, Lithium wie Cobalt, stehen uns nur begrenzt zur Verfügung. Der Abbau gestaltet sich sehr aufwendig. Die Rechnung zahlt natürlich wieder die Natur – und am Ende wir Menschen, die wir auf die Natur angewiesen sind und es offenbar nicht wirklich verstehen (wollen). Hinzu kommt, dass viele der eingesetzten Rohstoffe aus dem Kongo oder China stammen. Wo man es zum einen mit den Menschenrechten nicht so genau nimmt, zum anderen dank diesem Raubbau die Bevölkerung zunehmend der Verschmutzung von Böden und Flüssen aussetzt.

Sie fahren bereits ein E-Auto oder planen den Kauf?

Sie müssen zudem bedenken: Wohin mit der Batterie, wenn diese ihren Dienst quittiert? Bislang ist es nicht möglich, Lithium zu recyceln, auch wenn von Seiten der Wissenschaft mit Hochdruck daran gearbeitet wird. Lithium muss somit immer wieder neu abgebaut werden und ist irgendwann einmal alle, auch wenn 2010 über große Vorkommen in Afghanistan berichtet wurden…

Es muss sich zukünftig also noch einiges in der Batterietechnik ändern, damit ein umweltfreundliches Recyclingverfahren umgesetzt werden kann.

Fazit: Das also soll „umweltfreundlich“ sein?

E-Autos sind mitnichten ein „Allheilmittel“ für unsere Umwelt, ganz im Gegenteil. Produktion und Ausstattung schaffen im Vorfeld soviel Umweltzerstörung, dass man sicher nicht von Umweltfreundlichkeit sprechen kann. Doch was kann man tun? Tipp: Denken Sie einmal über das Fahren mit Erdgas nach! Leider wird Erdgas von der Autoindustrie eher stiefkindlich behandelt, dabei bietet es eine hervorragende Alternative zum herkömmlichen Kraftstoff und zur Batterie für E-Autos. Motoren, die Sie mit Erdgas zum Ziel bringen, sind quasi „bereits vorhanden“ und unterscheiden sich nur minimal von herkömmlichen Benzinern. Der Entwicklungsaufwand wäre im Gegensatz zu E-Autos wirklich gering und auch der Ausstoß von CO2 hält sich im Rahmen.

Schadensbegrenzung

Zur “schönen umweltfreundlichen E-Mobilität” bleibt mir nur zu sagen: Treiben Sie aktiv Schadensbegrenzung. Nutzen Sie Bahn und Fernbus, wann immer es Ihnen möglich ist. Sicher – bleiben Sie mobil, aber schauen Sie dabei, dass es wirklich umweltverträglich bleibt. Für größere Transporte bieten inzwischen einige Städte und Gemeinden die kostenlose Ausleihe von Lastenfahrrädern an. Und am Ende wird es umweltfreundlicher sein, sich einen Leihwagen zu nehmen, als ein E-Auto zu kaufen…

Liebe LeserInnen, in jedem Fall wünsche ich Ihnen einen guten Start in das neue Jahrzehnt! Ich bin sehr gespannt, was es uns bringen wird und hoffe sehr, dass die Menschheit als Ganzes gesehen in diesem Jahrzehnt ein bisschen „aufwacht“. Dass man versteht, dass wir die Natur brauchen – und nicht umgekehrt.

In diesem Sinne – Ihnen einen schönen und gesunden Januar!

Menü