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Psychiatrie – Fluch oder Segen?

Für alles scheint es heute eine Diagnose zu geben – wer gerne gutes Essen genießt, gilt schnell als „essgestört“. Wer einmal so richtig aus der Haut fährt und sich aufregt, sollte am besten „gleich ein paar Pillen einnehmen“. Und wer es gar wagt, schüchtern zu sein, „begibt sich vorzugsweise gleich in die Behandlung eines Psychiaters“, um es einmal überspitzt auszudrücken.

Das Gesundheitssystem scheint heute allgemein der Meinung zu sein, dass jede kleine Abweichung behandlungsbedürftig ist. Man ist schnell bei der Hand, wenn es darum geht, seelischen Zuständen sowie Gefühlen eine Diagnose überzustülpen. Auch Trauer gilt inzwischen als „zu behandelndes Symptom“, wenn sie länger als 2 Wochen dauert. Man stellt sich die Frage: Psychiatrie – Fluch oder Segen?

Gute Umsätze der Pharmakonzerne durch neue „Krankheiten“

Geht es beispielsweise nach der Vereinigung der amerikanischen Psychiater, so scheint jeder Mensch offenbar auf irgendeine Weise gestört zu sein und bedarf der therapeutischen Behandlung mit Medikamenten! Ob frühkindliche (natürliche!) Trotzphase oder Zukunftsängste bei Teenagern (früher als „Weltschmerz“ bezeichnet). Ob Schüchternheit oder Temperament – alles scheint als krankhaft zu gelten und kann mit Medikamenten behandelt werden. Dies spült natürlich einiges an Geld in die Kassen der Pharmaindustrie…

Das DSM

Das DSM wird als „die Bibel der Psychiatrie“ bezeichnet und ist ein Handbuch, welches erheblichen Einfluss auf die globalen Gesundheitssysteme hat. Ob Hersteller von Medikamenten oder Versicherungsgesellschaften, dem DSM wird eine sehr große Bedeutung zugesprochen. Man richtet sich danach. In diesem Buch findet man tatsächlich jede menschliche Emotion, jeden Gefühls- sowie Charakterzug sozusagen als „psychische Krankheit“ beschrieben. Alles bedarf dem Einsatz von psychologischer Betreuung wie auch der Behandlung mit Medikamenten. Mögliche Nebenwirkungen fallen eher unter den Tisch…

Vom normalen Menschen bis zum Patienten ist es nur ein schmaler Grat

Per DSM werden ganz normale Menschen zu Patienten deklariert und jede Verhaltensauffälligkeit gilt als therapiebedürftig. Ob sich nun ein Kind im Supermarkt auf den Boden wirft und einen Wutanfall hat, weil es den begehrten Schokoriegel nicht haben darf (Entdeckung des eigenen Willens) … Oder wenn sich ein junger, heranwachsender Mensch völlig verunsichert oder aufgewühlt fühlt (Hallo, Pubertät!) … Aber auch, wenn man später im Alter näher am Wasser gebaut ist (Hallo, Wechseljahre!) – offenbar sind wir alle auf die eine oder andere Weise psychisch gestört.

Erschaffung eines neuen Syndroms

Die Vereinigung der amerikanischen Psychiater ist unlängst auf den Gedanken gekommen, eine neue Kategorie von Erkrankung im DSM zu katalogisieren. Und zwar die Kategorie der „Risikosyndrome”. Dieser Kategorie sollen dann jene Personen angehören, die noch nicht an einer psychischen Störung leiden. Die jedoch dem Verdacht ausgesetzt sind, davon möglicherweise einmal betroffen zu sein. Diese Menschen werden also in die Schublade „Träger des Psychosen-Risiko-Syndroms“ einsortiert.

In diese Gruppe könnte man im Prinzip jeden Menschen einsortieren, ob er nun misstrauischer Natur ist oder zur kritischen Sorte Mensch gehört, welcher alles hinterfragt. Ob sein Verhalten unorganisiert wirkt (Spontanität) oder ob jemand spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist – all dies kann ein Merkmal für das Risikosyndrom sein.

Therapie am besten schon prophylaktisch

Die Vereinigung der amerikanischen Psychiater ist der Meinung, dass bei Menschen so früh wie möglich eine mentale Störung diagnostiziert werden müsse. Sogar noch, bevor diese Erkrankung ihren Weg in die Gegenwart gefunden hat, also bevor die Menschen tatsächlich an ihr erkranken! Auf diese Weise könnten „potenzielle Patienten“ schon frühzeitig therapiert werden und prophylaktisch entsprechende Medikationen erhalten.

Zusammenfassend kann man also leider sagen: Alle Menschen werden dann zu potenziellen Psycho-Patienten und können bereits vorbeugend mit Psychopharmaka behandelt werden.

Natürlich sind Diagnose und Behandlung von wirklichen psychologischen Erkrankungen ein Segen, besonders, wenn Menschen darunter leiden und wirklich Hilfe benötigen! Nicht jedoch Kinder oder Jugendliche, die mal einen Wutausbruch haben! Oder Menschen, die ein bisschen näher am Wasser gebaut sind. Wir Menschen sind vom Wesen her so unterschiedlich wie unser Fingerabdruck. Und das dürfen wir auch sein, ohne gleich als „krank“ deklariert zu werden.

In diesem Sinne – kommen Sie gut durch die dunkle Jahreszeit. In ein paar Wochen werden die Tage wieder länger. Bereits ab dem 21.12. gehen wir mit kleinen Schritten, aber stetig, auf den kommenden Frühling zu!

Machen Sie es gut und bis zum nächsten Mal!

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