Korruption im Gesundheitswesen

Korruption im Gesundheitswesen

Korruption im Gesundheitswesen – so werden Sie zum Testkaninchen

Trotz des 2016 in Kraft getretenen Antikorruptionsgesetzes kommt Korruption im Gesundheitswesen leider weiterhin bei uns vor. Zwar können seitdem Bestechung und Bestechlichkeit strafrechtlich verfolgt werden. Doch die sogenannten Anwendungsbeobachtungen, bei denen Patienten unwissend zu Testkaninchen neuer Medikamente werden, sind weiterhin erlaubt.

So funktionieren Anwendungsbeobachtungen

Anwendungsbeobachtungen sind von Pharmakonzernen initiierte Studien zu neuen, aber bereits zugelassenen Medikamenten. Ziel ist es, herauszufinden, welche Neben- oder Wechselwirkungen solche Medikamente bei Patienten haben. Diese tauchen aber in den meisten Fällen erst bei der Behandlung einer größeren Personenzahl über einen längeren Zeitraum auf. Daher zahlen Pharmakonzerne teilnehmenden Ärzten ein hohes Honorar, wenn sie das entsprechende Medikament an ihren Patienten testen. Das wird dann Anwendungsbeobachtung genannt, ist aber in vielen Fällen gut verpackte Korruption.

Hat Sie zum Beispiel ein Grippevirus erwischt und Ihr Arzt nimmt an einer Anwendungsbeobachtung eines entsprechenden Medikamentes teil, so verschreibt er Ihnen dieses neue Medikament – und nicht ein sicheres, bewährtes. Und zwar ohne Ihres Wissens, dass Sie an einer Medikamenten-Studie mit unbestimmten Nebenwirkungen teilnehmen. Sie erhalten also nicht die Arznei, die am besten für Sie ist, sondern die, für die der Arzt ein Zusatzeinkommen erhält.

Bestechung und Bestechlichkeit

Da es zudem erhebliche Zweifel am wissenschaftlichen Nutzen solcher Studien gibt, wirft man den Pharmaunternehmen vor, dass ihnen die Umsatzsteigerung eines neuen Medikaments wichtiger ist als die Gesundheit von Patienten. Sie bestechen Ärzte, damit ihr Medikament verkauft wird. Ärzten wiederum wirft man Korruption vor, da sie ihr leicht verdientes Nebeneinkommen über das Wohl des Patienten stellen. Hinzu kommt, dass das neue Medikament möglicherweise teurer als das alte ist. So entsteht ein höherer Kostenaufwand für Patienten bzw. Krankenkassen. Letzteres treibt die Beiträge für die Krankenkassen in die Höhe, zu unseren Lasten!

Anreiz zur Korruption

Laut Transparency International Deutschland e.V. bekommt ein Arzt pro Patient 2500 Euro, wenn er ihm ein solches Medikament verschreibt. Der Arbeitsaufwand steht hierzu in keinem Verhältnis. Dies ist daher für viele Ärzte ein großer Anreiz, an einer solchen Beobachtung teilzunehmen. Es handelt sich hier also um ein einfaches und gut funktionierendes Marketing-Instrument.

Zwar dürfen die Ärzte seit dem Antikorruptionsgesetz keine Medikamente mehr verschreiben, wenn dahinter reine Marketingabsichten stehen. Doch das kann man kaum überprüfen.

Erschreckend hohe Anzahl teilnehmender Ärzte

Auch wenn Pharmaunternehmen Anwendungsbeobachtungen an Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung melden müssen, sind diese nicht sonderlich transparent. In vielen Fällen geben die Pharmaunternehmen die Namen der teilnehmenden Ärzte nicht bekannt. Auch machen Sie oftmals keine Angabe über das Arzthonorar und die Anzahl der unwissend teilnehmenden Patienten. Eine Auswertung der Meldungen von 2014 offenbart jedoch erschreckende Zahlen: Fast 14.000 Ärzte haben in dem Jahr an Anwendungsbeobachtungen teilgenommen.

Wenn Sie diese Zahl nun unsicher stimmt, ist das mehr als gerechtfertigt. Woher sollen Sie auch wissen, ob der Arzt Ihres Vertrauens sich nicht auch ein nettes Sümmchen hinzuverdient und Teil des korrupten Systems ist? Und das möglicherweise auf Kosten Ihrer Gesundheit?

Was Sie tun können

Wenn Ihnen Ihr Arzt das nächste Mal ein Medikament verschreibt, so fragen Sie ihn doch einfach ganz konkret, ob er an einer Anwendungsbeobachtung teilnimmt. Nehmen Sie bereits regelmäßig eine bestimmte Arznei ein und Ihr Arzt möchte plötzlich zu einer anderen wechseln, fragen Sie ihn warum. Bestehen Sie auf das altbewährte Medikament, wenn Sie mit diesem glücklich sind.

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