Vorsorgeuntersuchungen, warum gibt es soviele Fehldiagnosen?

Vorsorgeuntersuchungen, wie beispielsweise Mammographien, wurden noch vor kurzem kritiklos und in besonders großen Stile durchgeführt. Galten sie doch jahrelang als sicher, und je häufiger sich Frauen dieser Prozedur unterzogen, umso sicherer fühlten sie sich.

Viele anspruchsberechtigte Frauen zwischen 50 und 69 Jahren erhalten immer noch regelmäßig im 2-Jahres-Turnus eine Einladung zum Screening. Dennoch raten inzwischen viele Mediziner von häufigen Mammographien zur Krebsvorsorge ab!

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Das Procedere: Pünktlich zum 50. Geburtstag wird an jede Frau ein freundliches Anschreiben versendet. Mit einer Einladung zum anstehenden Mammographie-Screening.

Wird das Schreiben ignoriert und lässt die Adressatin die Zeit verstreichen, folgt ein zweiter Brief. Dieser enthält Hinweise auf die möglichen Gefahren, sollte frau nicht zur Mammographie erscheinen! Nur wer an einer Mammographie teilnimmt, dem kann auch Verantwortungs- und Gesundheitsbewusstsein attestiert werden! Nicht zuletzt ist diese Untersuchung ja auch ein „Geschenk“ von den Krankenkassen!

Aufgrund wissenschaftlicher Studien kann man also mit Mammografien Todesfälle durch Brustkrebs verhindern. Das liefert natürlich das perfekte Argument, um an dem Screening teilzunehmen. Doch betrachten wir Vorsorgeuntersuchungen einmal kritisch!

Warum gibt es so viele Fehldiagnosen?

Doch welchen Nutzen hat eine Mammographie, kann sie wirklich Leben retten und vor Brustkrebs schützen? Oder kann sie auch Panik schaffen und gesunde Frauen zu Patientinnen machen? Warum gibt es bei Vorsorgeuntersuchungen so viele Fehldiagnosen?

Das Schweizer Fachgremium SMB rät inzwischen von Mammographien ab, denn bei 1000 Frauen gibt es 1-2 Frauen, deren Krebstod tatsächlich verhindert werden konnte. Dem gegenüber stehen ca. 100 falsche Diagnosen pro 1000 Frauen – aufgrund der Mammographie!

Dies bedeutet im Einzelnen, dass 100 Frauen die Botschaft erhielten, vermutlich an Brustkrebs erkrankt zu sein, obwohl dies gar nicht der Fall gewesen ist. Also 1000 Vorsorgeuntersuchungen mit 100 Fehldiagnosen! Jede dieser 100 Frauen erhält die niederschmetternde Nachricht, dass sie Krebs hat! Was das in einem Menschen anrichten kann, wird jeder nachvollziehen können. Der Schock sitzt – die Angehörigen sind zutiefst besorgt, man hat Angst um sich selbst und seine Familie! „Wie geht es jetzt weiter?“ Viele Frauen erleiden vor lauter Sorge immensen Schlafmangel, an Lebensfreude ist mit dieser „Diagnose“ kaum noch zu denken. Fast immer gerät aufgrund solcher Fehldiagnosen das Leben einer ganzen Familie aus den Fugen! Denn wer kann schon locker mit der Diagnose „Sie haben vermutlich Krebs“ umgehen? Ich vermute, niemand…

Wirtschaftliche Interessen?

Vertrauensvoll begeben sich dann die vermeintlichen Krebspatientinnen in ärztliche Behandlung, erhalten evtl. Chemo- oder Strahlentherapie, obwohl sie gar keinen Krebs haben! Dafür haben sie aber die starken Nebenwirkungen dieser Behandlung …

Man kann klar sagen: Gesundheit ist längst zu einem lukrativen Geschäft geworden, denn unzählige Vorsorgeuntersuchungen lassen die Einnahmequellen sprudeln. Die meisten dieser Vorsorgeuntersuchungen dienen der Suche nach Krebstumoren. Dennoch ist es so, dass viele dieser medizinischen Tests keine wirklich sichere Diagnose bieten können, hingegen mehren sich die kritischen Stimmen! Doch wieso gibt es bei Vorsorgeuntersuchungen so viele Fehldiagnosen?

Zunächst einmal ist das Ziel dieser Untersuchungen, eventuelle Krebstumore so frühzeitig wie möglich zu entdecken. Laut der Medizin liegt in diesem Fall eine Chance auf Heilung viel höher. Viele Menschen vertrauen Vorsorgeuntersuchungen und nehmen sie auch gerne in Anspruch. Selbst Darmspiegelungen lassen viele gesunde Menschen über sich ergehen!

Mammographie generiert Patientinnen

Manche kritischen Stimmen vermuten, dass Mammographien dem Zweck dienen, Patientinnen zu generieren. Auf diese Weise wird der „Markt“ von äußerst profitablen Behandlungsmethoden wie OPs, Chemotherapie und Bestrahlung angekurbelt. Dem ist hinzuzufügen, dass die Technik hinter den Mammographie-Screenings inzwischen so ausgeklügelt ist, dass selbst die kleinsten Tumore, die fast jeder Mensch in sich trägt, gefunden werden. Unabhängig davon, ob sie nun eine Gefahr darstellen – oder nicht. Diese winzigen Mikrotumore sind es schließlich, die zu den falschen Krebsdiagnosen führen! Sie sorgen dafür, dass buchstäblich mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Dass gesunde Frauen als Patientinnen in den klinischen Behandlungskreislauf eingebunden werden.

Es geht um viel Geld

Betrachtet man das Ganze unter dem logischen Aspekt des volkswirtschaftlichen Nutzens, so könnte man an dieser Stelle vermuten, dass ohne Mammographien der Krebsindustrie ein enormer Profit verloren geht. Auch hier geht es – wie in jedem Industriezweig – in erster Linie um Gewinne und Gewinnmaximierung.

In berechtigten Verdachtsfällen können Mammographien sinnvoll sein, wenn z. B. ein Knoten ertastet wird. Zur reinen Vorsorge jedoch erscheint der Sinn dahinter eher fragwürdig, denn nicht jeder kleine Tumor bedarf einer Behandlung mit Chemotherapie oder Bestrahlung.

Und bei Männern?

Was bei Frauen die Mammografie ist, ist für Männer die Untersuchung der Prostata. Mithilfe des PSA-Tests wird im Blut nach einem speziellen Eiweiß gesucht, welches (im Falle eines vorhandenen Tumors) erhöht ist. Doch auch dieser Test ist ungenau, und hinzu kommt, dass nicht jeder Prostatakrebs gefährlich ist! Jeder zweite Mann über 80 lebt mit einem Prostatatumor, stirb aber an anderen Ursachen. Beispielsweise an Altersschwäche.

Wird Männern aufgrund eines Verdachtes auf Prostatakrebs die Prostata entfernt, haben anschließend 50 Prozent der Operierten mit Inkontinenz sowie Impotenz zu kämpfen. Das bedeutet enorme Einbußen an Lebensqualität. Sicherlich, wenn durch die OP das Leben gerettet wird, nimmt man diese Folgen wahrscheinlich in Kauf. Gehen diese Folgen jedoch mit einer „Überdiagnose“ einher, ist das einfach nur bitter.

Zusammengefasst:

Inzwischen ist auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) der Ansicht, dass es nicht automatisch von Vorteil sein muss, wenn eine Krankheit früh entdeckt wird. Damit Menschen künftig abwägen können, ob sie an einer Früherkennungsuntersuchung teilnehmen möchten oder nicht, ist es erforderlich, dass Ärzte ihre Patienten neutral über Nutzen und Risiken einer Untersuchung zur Früherkennung informieren. Dies fordert inzwischen auch die Weltgesundheitsorganisation. Es ist nicht einzusehen, wieso einem rüstigen Achzigjährigen, der noch gerne wandern geht, die Prostata entfernt werden muss. Schon gar nicht, wenn sie keine oder nur wenige Probleme bereitet.

Prostatakrebs wächst nur sehr langsam, man(n) kann damit sehr alt werden. Entfernt man das Organ, so kann es geschehen, dass man künftig Wasser nicht mehr halten kann und buchstäblich Windeln braucht. Mit der Aussicht darauf wird das Hobby „Wandern“ unter Umständen künftig eher passé sein.

Kleine Anmerkung zum Schluss

Eine Vorsorgeuntersuchung bietet keine „Vorsorge“ in dem Sinne, sie dient allein der Früherkennung, was einen großen Unterschied darstellt. Eine wirkliche Vorsorge erreichen Sie zum Beispiel durch eine gesunde Lebensweise. Unter Einbeziehen von gesunder Ernährung, Sport, frischer Luft, ausreichenden Ruhephasen. Dem Verzicht auf Nikotin und Alkohol. Echte Vorsorge bieten Kurse zum Thema „gesunde Ernährung“; Kräuterwanderungen, das Erlernen von Entspannungstechniken, etc. Vorsorge könnte bereits Kindern in der Schule vermittelt werden (wie es beispielsweise in Japan üblich ist – durch Hauswirtschaftsunterricht und Kochen). Warum das bei uns nicht der Fall ist, wird man sich denken können. Gesunde Menschen bringen kein Geld.

Von daher: Bleiben Sie immer kritisch und wägen Sie stets Nutzen und Risiko ab. Treffen Sie Ihre Entscheidungen zur Vorsorgeuntersuchung stets selbstbestimmt und souverän. Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden, wenn Sie darauf verzichten möchten. Und haben sie an einer Vorsorgeuntersuchung teilgenommen und eine schlechte Diagnose erhalten, holen Sie sich in jedem Fall eine Zweit- und auch eine Drittmeinung. Es geht schließlich um Sie – und Ihre Lebensqualität. Hinterfragen Sie!

In diesem Sinne, bis zum nächstem Mal! Bleiben Sie gesund und kommen Sie gut durch die Woche.

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