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Erlaubt Apparatemedizin noch Menschlichkeit?

Apparatemedizin versus Menschlichkeit – welche Medizin wünschen wir uns und wie möchten wir im Krankheitsfall behandelt werden? In der Klinik bekommen viele Menschen heute erst mal einen Schreck, denn zwar können hochmoderne Apparate viel für die Gesundheit von Patienten tun – was aber ist mit dem Patienten selbst? Wie wird mit seinen Gefühlen umgegangen und wo bleibt der seelische Aspekt in der Heilung? Zuwendung durch Ärzte und Pflegepersonal wird immer knapper, es wird an allen Ecken Personal eingespart. Man investiert in teure Geräte, die ein Vielfaches von dem kosten, was gutes Personal kosten würde. Die stramme und ökonomische Durchtaktung im Klinikalltag erlaubt heute leider nur wenig Zeit für intensivere Gespräche mit Patienten. Menschlichkeit bleibt da oftmals auf der Strecke. Erlaubt die Apparatemedizin überhaupt noch Menschlichkeit?

Was ist Apparatemedizin?

Apparatemedizin ist die Bezeichnung für die technikorientierte Diagnostik und Behandlung am Patienten, in der hauptsächlich Geräte zum Einsatz kommen. Für menschliche Bedürfnisse wie Zuwendung und Trost bleibt jedoch für kaum noch Platz. Beispiele für solche Apparate sind unter anderem Großgeräte wie Kernspintomographen. Viele Kliniken verfügen heute über eine sehr komplexe und hochmoderne Ausstattung mit entsprechender Technik, sparen jedoch an Zeit und Personal. So kann es geschehen, dass sich viele Patienten im Krankenhaus heute regelrecht „verloren“ fühlen.

Anmerkung: Natürlich sind technische Apparate, wie z. B. Röntgen- oder Kernspingeräte ein wahrer Segen, denn Sie ermöglichen Ärzten recht genaue Diagnosen. Doch durch die Tendenz der modernen Medizin hin zur hochtechnisierten Apparatemedizin, können viele Patientinnen und Patienten den Zweck von Diagnostik, Therapie und Heilung nicht mehr erkennen. Besonders zum Lebensende hin, wenn eigentlich „die Zeit gekommen ist“, werden viele Patienten mit Apparaten am Leben gehalten, auch wenn sie dies womöglich gar nicht wünschen. Wenn zum Beispiel bei einem 98-Jährigen über Wochen oder Monate hinweg noch lebensverlängernde Maßnahmen ergriffen werden, obwohl jedes Leben ein Anfang und auch eben ein natürliches Ende hat …

Patientenverfügung

Für die meisten Menschen ist der Gedanke an Siechtum in einer Klinik die blanke Horrorvorstellung. Angeschlossen an Apparate und verpflegt über Schläuche, kontrolliert über Monitore – Tag für Tag – ohne eine Perspektive auf Besserung. Darum entscheiden sich heute immer mehr Menschen für die Ausstellung einer Patientenverfügung, bevor es zu spät ist. Wie z. B. nach einem schweren Unfall.

Auch wenn nie etwas geschehen mag, wir sollten am besten möglichst frühzeitig eine Entscheidung darüber treffen, was mit uns passieren soll. Für den Fall des Falles…

Die Patientenverfügung ist die schriftliche Vorausverfügung eines Menschen für den Fall, dass dieser nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen (z. B. aufgrund von Unfall oder Erkrankung) auszudrücken und zu kommunizieren. Auch wenn Sie verheiratet sind, so ist dies – im Falle eines Falles – für Ihre rechtliche Vertretung nicht ausreichend. Sie brauchen hierzu eine Vollmacht – oder das Urteil eines Betreuungsgerichtes.

Ist es heute bereits Standard, dass man sich für Banken oder Versicherungen gegenseitig Vollmachten ausstellt, so vergisst man dabei häufig eine Vorbeugung bei gesundheitlichen Fragen. Gerade, wenn wir später keine Dauerversorgung durch Apparate wünschen und selbst bestimmen möchten, was mit uns geschieht, ist es wichtig, mit einer Patientenverfügung vorzubeugen, oder in einer Betreuungsverfügung jemanden zu bestimmen, der dann in unserem Sinne entscheidet, was mit uns geschehen wird.

Hierzu müssen wir uns vorher auf jeden Fall mit folgenden Fragen beschäftigen:
  • Lehne ich lebensverlängernde Maßnahmen ab – oder befürworte ich sie?
  • Möchte ich künstlich beatmet werden – und wie lange?
  • Welche Arten von Behandlungsmöglichkeiten sind für mich akzeptabel?
  • Was ist mein Wille als Patient*in?
Unsere soziale Natur

Als soziale Wesen sind wir Menschen auf Zuwendung angewiesen. Freundlichkeit und persönliche Hilfsbereitschaft sind unter anderem im Prinzip wichtige Impulse, die unser Immunsystem ankurbeln und für eine Genesung hilfreich sind! Sicherlich ist die heutige moderne Medizin sehr leistungsfähig, doch wird der psychische Faktor immens unterschätzt! Menschen brauchen zum Genesen neben der Therapie vor allen Dingen nämlich auch persönliche Zuwendung durch andere Menschen!

Alleingelassen

Erhält ein Patient eine unerfreuliche Diagnose, so wird er damit meist alleingelassen. Ängste werden nicht berücksichtigt, sie scheinen eher nur zu „stören“. Wie beinahe alle Bereiche unseres täglichen Lebens, so ist auch die Medizin heute der Wirtschaftlichkeit unterworfen. Was heißt: Möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit verdienen – Mensch und Menschlichkeit bleiben dabei buchstäblich auf der Strecke. Das hat zur Folge, dass leider immer mehr Patienten das Vertrauen in Ärzte und Medizin verlieren. Auch Ärzte und Pflegekräfte werden immer unzufriedener. Alleine die Dokumentation – „der Papierkram“ – benötigt sehr viel Zeit, die schließlich an wichtiger Zuwendung für die Patienten fehlt.

Auf den Punkt gebracht:

Die wirtschaftlichen Aspekte in der Medizin treten derzeit leider immer mehr in den Vordergrund, der Mensch in seiner Ganzheitlichkeit, bestehend aus Körper und Psyche, gerät dabei zusehends in den Hintergrund. Ideal wäre, wenn beide Aspekte einander die Waage halten. Wenn moderne Apparatemedizin und zugewandte Menschlichkeit Hand in Hand gingen, um Patienten bestmöglich zu helfen!

Der Mensch sollte aber immer in seiner Gesamtheit gesehen werden: Als Wesen mit Körper und Seele. Geschieht dies in der medizinischen Arbeit, so können Menschlichkeit und Hochleistungsmedizin hervorragend miteinander verbunden werden! Eine ausgewogene Kombination aus Apparatemedizin und Menschlichkeit ermöglicht präzise Diagnostik verbunden mit Verständnis, Zuwendung und Wärme. Gleichzeitig sind Kontakt und Interaktion von Patient und Arzt auf Augenhöhe möglich. Das Ansehen der Medizin würde wieder steigen, der Patient sich als Mensch in den guten Händen fühlen. Und damit bestens aufgehoben!

Würde der wirtschaftliche Faktor nicht mehr ganz so hoch gewichtet werden, dafür aber der Mensch in seiner Rolle als Patient – wie auch als Arzt oder Pflegeperson – so stünden technische Hochleistungsmedizin und Menschlichkeit nicht im Widerspruch. Sie würden sich hervorragend ergänzen, zum Wohle von uns allen. Wir müssen also umdenken, was bestimmt auch noch – wünschenswerterweise – kommen wird.

In diesem Sinne – bis zum nächsten Mal!

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