Farbeimer mit Pinseln auf Zeitungsunterlage

Wohngifte: Die häufigsten Krankmacher in unseren vier Wänden

Liebe Leser*innen, alles neu macht der Frühling! Viele Menschen verspüren nach der dunklen und nasskalten Jahreszeit große Lust dazu, die eigenen 4 Wände aufzuhübschen und zu renovieren. Es zieht einen förmlich in den Baumarkt oder ins Einrichtungshaus, man möchte die Ärmel hochkrempeln und loslegen! Da werden Tapeten abgezogen, es wird Laminat verlegt – da wird gespachtelt und gestrichen, was das Zeug hält! Die eine oder andere neue Kommode findet ihren Platz im Flur, man schafft sich seine schöne Wohlfühl-Oase. Doch viele Farben, Lacke, Bodenbeläge und Möbel enthalten auch Schadstoffe. Sie beinhalten Wohngifte, die Kopfschmerzen und allergische Reaktionen auslösen können. Viele Menschen sind sich dessen gar nicht bewusst und wundern sich, warum sie schlecht schlafen oder sich auch ansonsten nicht gut fühlen. Wir beschäftigen uns also heute ein wenig mit Wohngiften, den häufigsten Krankmachern in unseren vier Wänden!

Belastende Materialien

Wohngifte verstecken sich in Tapeten, Bodenbelägen, Lacken und Farben sowie Möbeln. Gerade in geschlossenen Räumen sind sie sehr belastend für unsere Gesundheit. Dadurch, dass weniger natürliche Materialien, wie etwa Massivholz, Kork oder Wolle zum Einsatz kommen, sind viele Wohnungen durch chemische (Billig)Materialien mit Schadstoffen belastet. Stetig finden neue Produkte aus modernen Materialien auf den Markt, die vor Chemikalien nur so strotzen. Selbst in Kleidung finden sich krebserregende Stoffe, etwa in den beliebten bunten Kunststoffpantoffeln. Diese Produkte riechen entsetzlich – und werden dennoch gekauft und in Hautkontakt gebracht.

Chemisch hergestellte Produkte sollen pflegeleichter sein, aber ehrlich gesagt: Was ist an einer Kommode aus Pressspan pflegeleichter als an einer Kommode aus echtem Massivholz? Kauft man Produkte, die mit Chemikalien hergestellt wurden, so dünsten diese aus. Sie geben Wohngifte in die Raumluft ab und werden (ungewollt) eingeatmet.

Formaldehyd

Formaldehyd wird bei der Herstellung von Kunststoffen eingesetzt, findet aber auch als Konservierungsstoff Verwendung in der Kosmetikindustrie. In der Textilveredelung findet Formaldehyd als Glättungsmittel Anwendung. Da Formaldehydverbindungen „flüchtig“ sind, werden sie in kleinen Dosen nach und nach ausgedünstet. Sie gelten als krebserregend und kommen häufig in Spanplatten vor. Besonders Billigmöbel aus Fernost können mit Formaldehyd belastet sein – ebenso Textilien und Wohntextilien. Das Gute ist: Sie können Formaldehyd riechen, sein Geruch ist stechend und wirkt abstoßend. Machen Sie also bei Möbeln und Textilien am besten eine Geruchsprobe und vertrauen Sie Ihrer Nase. Wenn möglich, greifen Sie bei Textilien aller Art zu Produkten mit dem Siegel „OEKO-TEX“ – bei Möbeln und Baustoffen bietet „der blaue Engel“ eine gute Orientierung.

Phtalate – Weichmacher

Auch Weichmacher sind Wohngifte und gehören zu den häufigsten Krankmachern in Ihren vier Wänden. Phtalate werden vor allem in Kunststoffen wie PVC verwendet, sie sorgen für Geschmeidigkeit der Materialien, beispielsweise bei Bodenbelägen oder Duschvorhängen. In vielen Billigprodukten verstecken sich Phtalate, etwa in alltäglichen Haushaltsutensilien wie Spülbeckeneinlagen, Ablagematten – aber auch in Luftmatratzen. Man kann Phtalate riechen, sie gasen aus und gelangen über die Haut in den Körper. Dort können sie hormonell wirken! Phtalate stehen zudem im dringenden Verdacht, diverse Erkrankungen sowie auch Unfruchtbarkeit nach sich zu ziehen.

Phtalathaltige Fußböden zum Beispiel geben ihre Giftstoffe nicht nur in die Raumluft, sondern auch ins Wischwasser ab und gelangen somit ins Grundwasser. Sie reichern sich in Organismen an und sorgen für unnatürliche Veränderungen. In einigen Läden können Sie Phtalate bereits beim Betreten des Geschäftes riechen. Trotz dem seit dem Jahr 2005 Phthalate in Spielwaren verboten sind, finden sich in vielen Billigimportartikeln hohe Konzentrationen davon. Was auch immer Sie käuflich erwerben – ob Renovierungsmaterial, Haushaltswaren, Spielzeug, etc. – riechen Sie an den Produkten, bevor Sie sie kaufen!

PAKs (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe)

PAKs finden sich in vielen Waren, besonders in dunklen Produkten wie Badeschlappen, Billig-Clogs; besonders häufig in Billigwaren von Discountern oder Schnäppchen-Shops. Auch in einigen Koffern, Koffergriffen oder Taschen, Brillen-Etuis, Ferngläsern, Umhänge-Riemen von Kameras, Kabeln, Gummimatten – die Liste ist schier unendlich und der Stoff wird über die Haut aufgenommen. Man kann immer nur betonen: Was nicht gut riecht, sollte besser nicht den Weg in Ihr Zuhause finden.

VOCs – volatile organic compounds

Diese leichtflüchtige organische Verbindungen (VOCs) stecken als Lösungsmittel in vielen unterschiedlichen Produkten. Beispielsweise in Farb- und Klebstoffen sowie in Reinigungsmitteln. Hier ist besonders der jeweilige Siedepunkt der VOCs interessant, denn je niedriger dieser liegt, umso eher gasen die gefährlichen Stoffe aus. Doch auch Stoffe mit hohem Siedepunkt sind schädlich, denn sie geben ihre Ausdünstungen langsamer in die Raumluft ab – und dafür umso länger. Nicht wenige Menschen reagieren mit Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder auch chronischer Müdigkeit auf diese Lösungsmittel. Inzwischen hat man hierfür auch eine Bezeichnung gefunden, und zwar das Sick-Building-Syndrom – übersetzt: Gebäudekrankheit.

Werden die Grenzwerte für VOCs in Baustoffen, Lacken und Farben durch die europäische Decopaint-Richtlinie geregelt, sind Produkte wie einige Klebstoffe, Spachtelmasse und auch Sprühlack davon ausgenommen. Es lohnt sich unbedingt, sich vorher über die jeweiligen Produkte zu informieren, bevor sie in die eigenen 4 Wände geraten. Wenn möglich, verwenden Sie Produkte auf Wasserbasis – Sie können sich auch auf der Produktseite des Blauen Engels informieren. Den Link hierzu finden Sie weiter unten.

Augen auf bei Nicht-EU-Waren

In Deutschland und der EU sind die Richtlinien für viele Schadstoffe strenger als in Nicht-EU-Ländern. Durch die Globalisierung und den offenen Handel gelangen jedoch häufig auch schadstoffbelastete Produkte in die Läden. Die Liste an Umweltgiften ist leider sehr lang und nicht alles lässt sich über die Nase aufspüren. Als Verbraucher*in haben Sie die Möglichkeit, sich beim Händler sowie Hersteller zu erkundigen, ob ein Produkt krankmachende Stoffe enthält.

Wichtig zu wissen: Die EU-Chemikalien­Verordnung 1907/2006 – auch REACH-Verordnung – bietet Verbrauchern ein interessantes und wichtiges Instrument. (REACH = Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals. Auf Deutsch: Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien)

Über die App Scan4Chem vom Umweltbundesamt können Sie per Smartphone den Barcode des fraglichen Produktes scannen und an das Umweltbundesamt senden. Es dauert ein bisschen, aber innerhalb von 45 Tagen sollten Sie eine Antwort erhalten.

Zimmerpflanzen als filternde Hausgenossen

Haben Sie bereits belastete Baustoffe oder Wohnmaterialien im Haus und können Sie diese nicht gleich entsorgen oder ersetzen, so ist regelmäßiges Lüften hilfreich, um die Konzentration an Wohngiften in der Luft immer wieder zu senken. Hierbei können Ihnen Zimmerpflanzen gute Dienste leisten, wie etwa Aloe Vera, Drachenbaum, Efeu oder Bodenhanf.

Last but not least

Wenngleich nicht chemisch, sondern natürlich – auch Schimmelpilze gehören zu den Wohngiften und können krank machen – ebenso Tabakrauch.

Zu guter Letzt: Wenn Sie sensibel reagieren – kaufen Sie besser nichts, was bedenklich riecht. Ihre Nase ist ein gutes Warnsystem und kann Sie vor Wohngiften schützen. Bringen Sie möglichst Baustoffe oder Gegenstände aus natürlichen Materialien, beziehungsweise in schadstofffreier oder unbedenklicher Qualität in Haus und Wohnung – eine gute Orientierung finden Sie hier: https://www.blauer-engel.de/de/get/producttypes/all

Ansonsten bleibt mir nur noch zu sagen: Viel Erfolg beim Heimwerken und Verschönern Ihres Zuhauses im Frühling! Bleiben Sie gesund – bis zum nächsten Mal!

Menü