Wald mit See von oben

Der Wald als Holzfabrik

Liebe Blogleser*innen – der Wald als Holzfabrik – auch im heutigen Beitrag soll es noch einmal um den Wald gehen, der mir wirklich sehr am Herzen liegt. Noch ist Winter und der Wald durch Fauna, Flora und Spaziergänger nicht ganz so belebt, wie zur wärmeren Jahreszeit. Doch auch an kühleren Tagen ist der Wald ein tägliches „Waldbad“ wert und füllt unsere Lungen mit gesunder Luft. Der Wald als Lebensraum tut uns allen gut, gerade jetzt – in Zeiten von Husten und laufender Nase. 😉

Es ist sein Mikroklima, welches ihn so besonders macht. Man kann sagen: Der Wald ist im Prinzip unser natürliches Habitat, in ihm können wir uns und unsere Seele entfalten. Ein Waldspaziergang kostet kein Geld, belegte Brote und Kaffee können mitgebracht und auf einer Bank verzehrt werden. Der Wald schenkt uns Ruhe und Stabilität, seine Geräusche beruhigen, Duft und Farbe stimmen uns zuversichtlich.

Der Wald selbst will uns nichts verkaufen, er will nicht unser Geld und uns von nichts überzeugen. Er vertritt keine Ideologie – er ist einfach nur da und hat die Kraft zum Heilen, wenn wir ihn aufsuchen.

Profit durch den natürlichen Lebensraum Wald

Doch viele Menschen sehen im Wald lediglich eine gewinnabwerfende Holzfabrik und nicht mehr unseren natürlichen Lebensraum. Ob bei uns in Europa oder global betrachtet, der Wald dient als „Nutzfläche“, die möglichst viel Profit abwerfen soll. Der Wald als Holzfabrik! Genau wie beim Einkauf von Obst und Gemüse verhält es sich auch mit dem Holz! (Äpfel aus Neuseeland, Birnen aus China, Bohnen aus Ägypten…) Unser hiesiges Holz wird tatsächlich teilweise bis nach China exportiert, während wir in Deutschland unser Holz aus Finnland beziehen. Holz ist kein lokales Erzeugnis mehr, es wird für den Weltmarkt produziert. Mit dem Wald wird spekuliert und Geschäfte gemacht! Man rodet ihn für die Palmölgewinnung oder zur Plünderung von Bodenschätzen. Gewinnmaximierung und Profit scheinen die Religionen der Neuzeit zu sein, die Wälder der Welt werden vernichtet, unsere grüne Lunge zerstört.

Zerstörung der Regenwälder

Betrachten wir uns nur die tropischen Regenwälder, ihre Vernichtung ist erschreckend! Jedes Jahr fallen große Flächen der Abholzung oder Brandrodung zum Opfer. Jedes Jahr verlieren wir eine Fläche so groß wie Frankreich! Viele Tiere, die ihren Lebensraum im Wald haben, sterben durch die Brandrodung qualvoll! In den vergangenen 30 Jahren wurde die Hälfte der weltweiten Wälder abgeholzt, alle zwei (!) Minuten verliert die Erde (und damit auch wir Menschen) die Fläche in der Größe eines Fußballfeldes. Wenn Sie sich noch an die Nachrichten des vergangenen Jahres erinnern: Alleine in Südamerika gab es 2019 zehntausende (!) Brandherde. Sie waren vom Weltall aus zu sehen, die Zeit berichtete.

Zirka 200.000 qm² Wald fallen jedes Jahr den Flammen zum Opfer, dem Profit geschuldet. Allein dadurch wird mehr CO² freigesetzt als würde man den Jahresverbrauch aller fossilen Brennstoffe (Auto, Flugzeug, Heizung, etc.) aufaddieren! Durch Brandrodung werden Weideflächen für Rinder geschaffen, die dann als Burger zwischen zwei weichen Weißmehl-Brötchenhälften ihr (trauriges) Ende finden.

Waldzerstörung für Fleischkonsum

Die für den Weltmarkt produzierten Tiere müssen auch gefüttert werden! Und als ob dies alles noch nicht ausreicht, werden in trockeneren Regionen unter Einsatz von aggressiven Agrarchemikalien gentechnisch manipulierte Zuckerrohr-/ Sojaplantagen in Monokultur angelegt. Als Futter für die Tiere oder für die Industrie – natürlich auf dem Seeweg global in alle Welt verschifft.

Die Liste der Monokulturen lässt sich fortführen – mit der Pflanzung von Ölpalmen zur Gewinnung von Palmöl. Ja, für Palmöl wird der tropische Regenwald abgeholzt, und es gibt heute kaum ein Produkt, in dem es nicht steckt! Auch in „Bio-Kraftstoff“ findet es Verwendung und landet im Tank von Kraftfahrzeugen. Lokal wachsende Rapspflanzen decken unseren Bedarf bei Weitem nicht mehr!

Drastisch umschrieben: Für Kraftstoff, welcher aus Soja und Palmöl gewonnen wird, werden Regenwälder brandgerodet/ abgeholzt und Moore trockengelegt! Die gewonnenen Produkte schickt man aufwendig per Seefrachter rund um den Globus, was erneut Energie kostet. Für unser Palmöl in Brotaufstrichen oder anderen Nahrungsmitteln wird der Lebensraum von Orang-Utans knapp. Viele sterben, oft Orang-Utan-Mütter mit ihren Kindern.

Der Wald (als unsere grüne Lunge) ist in Gefahr

Liebe Blogleser*innen, Sie sehen, dass dieser Beitrag heute ziemlich verdrießlich ausfällt. Doch fragt man sich manchmal wirklich: Sind wir überhaupt noch zu retten? Und wie können wir tatsächlich noch den Schneid besitzen, uns als „Krone der Schöpfung“ zu bezeichnen?

Wir alle können etwas tun, nämlich durch unsere Nachfrage das Angebot ein Stück weit mitzubestimmen. Wir müssen uns nur dessen bewusst werden und entsprechend handeln, bzw. einkaufen. Alleine der Verzicht oder die Minimierung von Produkten mit Palmöl wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Dem Regenwald und damit unserer grünen Lunge zuliebe!

Der Wald als Patient

Am Wald hängt noch so viel mehr, die ganze Natur ist ein Lebensraum, der sich in einem empfindlichen Gleichgewicht befindet. Durch Brandrodung und Kahlschlag trocknen die Flüsse aus. Monokulturen geben dem Boden den Rest, sie werden anfällig für Schädlinge. Die angewendeten Pestizide verschmutzen Wasser und Grundwasser!

Verbleibende Bäume werden geschwächt, durch unsere heutige Globalisierung finden viele Organismen/ Tiere den Weg zu uns. An ihren Ankunftsorten warten meist keine natürlichen Feinde, weswegen sie sich ausbreiten können.

Ein Beispiel: Der Buchsbaumzünsler, beheimatet in asiatischen Wäldern und dort mit natürlichen Feinden „ausgestattet“, hat in Europa schlimmste Schäden angerichtet. Ganze Buchsbaumbestände werden zerstört, u. a. wunderschöne alte Buchsbaumwälder in Südfrankreich. Auch in Deutschland fallen immer mehr Buchsbäume dem kleinen Falter zum Opfer!

Der Raubbau geht munter weiter

Wo einmal Kahlschlag herrscht, kommt es meist zu Überschwemmungen und Erdrutschen, weil kein Wald mehr da ist, der den Boden „festhält“. In der Vergangenheit sind viele Umweltorganisationen immens bemüht gewesen, den Regenwald – und damit unsere grüne Sauerstofffabrik zu retten. Ihr Erfolg war leider nur mäßig. Die Holzfirmen geben sich neuerdings umweltfreundlich, sie entnehmen nur bestimmte Holzarten und lassen andere stehen. Doch auch wenn kein Kahlschlag stattfindet, muss schweres Gerät aufgefahren werden. Beispielsweise Bulldozer, welche tiefe Schneisen reißen, Wurzeln zerstören und das gesamte Biotop Wald in Ungleichgewicht bringen. Und auch wenn wieder aufgeforstet wird, beispielsweise mit Eukalyptus und Pinie, ist das kein Ersatz für den natürlich gewachsenen Urwald.

„Im Kamin“ verpulvertes Holz

Unsere Buchenwälder liefern inzwischen ca. 400.000 Festmeter an Holz pro Jahr und werden per Container nach China verschifft. Hier werden Sie unter billigsten Lohnbedingungen zu Möbeln, Papier, Sperrholz oder Holzschnitzeln verarbeitet und landen anschließend als Exportgut in aller Welt.

Das Heizen mit diesen Holzschnitzeln ist problematisch, denn Holz wird als klimafreundliche und nachhaltige Energiequelle gehandelt, der Verbrauch über staatliche Mittel gefördert. Heute heizen alleine in Deutschland mehr als 400.000 Haushalte mit gepressten Holzschnitzeln/ Pellets. Weil die eigenen Holzreserven nicht ausreichen, landen ganze Wälder in Nordamerika und Osteuropa im Shredder – obwohl es lange dauert, bis ein Baum nachgewachsen ist!

Was kann man tun?

Jeder Einzelne von uns kann etwas tun, nämlich mit der Ressource Wald respektvoll und mit dem Rohstoff Holz sorgsam umgehen. Wir können auf Zutaten wie Palmöl achten – und es möglichst vermeiden. Altes Mobiliar können wir z. B. aufpeppen, indem wir ihm einen Neuanstrich verpassen. Zudem: Bevor man etwas wegwirft, sollte man gut darüber nachdenken. Holz ist kein „Müll“, es ist ein lebendiger Rohstoff und kann stets weiterverwendet werden. Möbel, die auf dem Sperrmüll landen sollen, könnten vorsichtig zerlegt und das Holz einem Upcycling zugeführt werden. Das schont Umwelt und Wald, denn die Nachfrage bestimmt letztendlich das Angebot. Ich hoffe, dass wir alle eines Tages in diese wirklich nachhaltige Richtung gehen. Jeder gesunde Baum, der stehen bleibt, ist ein Gewinn für Gesundheit, Natur – und letztendlich für uns.

In diesem Sinne – bis zum nächsten Mal!

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