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ADHS – Ritalin statt Sport und Bewegung

ADHS – Ritalin statt Sport und Bewegung? Oder lieber Sport und Bewegung? Zweites ist auf jeden Fall natürlich und uns gegenüber “artgerecht”. Aber leben wir heute überhaupt uns selbst (und damit unserer eigenen Spezies) gegenüber noch artgerecht? Und wie sieht das bei unseren Kindern aus? Warum bekommen heute scheinbar immer mehr Kinder die Diagnose „ADHS“ – und oftmals gleich ein Rezept für Ritalin?

Für Bewegung gemacht

Vorweg: Unser Körper wurde für Bewegung konzipiert, für lange Läufe durch die Steppe. Unsere Vorfahren mussten oft weite Strecken zurücklegen, um Nahrung zu finden; an Wasser zu gelangen – oder vor wilden Tieren zu fliehen. Waren unsere Urahnen also noch sportlich unterwegs, hat das moderne Leben unsere eigentliche Natur komplett auf dem Kopf gestellt. Überspitzt gesagt: Heute fährt man per Auto ins Büro, sitzt am Schreibtisch, fährt per Auto wieder nach Hause, geht vom Kühlschrank mit seinen Snacks ca. 10 Schritte zur Couch – und sitzt erneut. Wir sitzen tagein, tagaus – und verlernen dabei immer mehr die Freude an der Bewegung. Von Kindern wird oft das Gleiche erwartet – sitzen, und zwar möglichst still.

Kinder und natürliche Bewegung

Dabei sind wir keine angewachsenen Pflanzen, sondern von Natur aus für körperliche Betätigung gemacht. Bereits bei Säuglingen können Sie einen ausgeprägten Muskeltonus beobachten. Wenn das Baby nicht gerade schläft, dann bewegt es sich, rudert mit den Ärmchen und strampelt mit den Beinen. Das Kind macht das, was es von Natur aus soll – es bewegt sich und trainiert dabei seine Muskeln. Wird es größer, bleibt in der Regel das natürliche Bedürfnis nach Bewegung erhalten und zeigt sich in Form von Krabbeln, sich an Möbeln hochziehen; mobil sein wollen – um jeden Preis!

Aber wie ist es heute tatsächlich? Bereits ab dem fünften Lebensjahr schon sollen Kinder in der Schule ruhig sitzen. Es scheint somit nicht verwunderlich, wenn manche von ihnen zappelig werden. Zwei Stunden Schulsport in der Woche federn den Wunsch nach Bewegung nicht ab, die Pausenzeiten reichen für körperliche Aktivitäten und Austoben kaum aus, gegessen werden muss ja schließlich auch.

Entgegen der Natur

Anstatt uns wieder der Natur anzupassen, versuchen wir, die Natur der Kinder den heutigen wirtschaftlichen Paradigmen anzupassen. Damit die Kinder still sitzen (können), erhalten sie Psychopharmaka, z. B. in Form von Ritalin. Aber gerade bei Kindern mit diagnostiziertem ADHS können natürliche Bewegungsprogramme anstelle von Medikamenten sehr hilfreich sein! Kinder, welche nur sehr schwer stillsitzen und sich nicht konzentrieren können, bieten sportliche Aktivitäten oft eine hervorragende Alternative! Zudem ist Sport optimal, er belastet den jugendlichen Organismus nicht und ist idealerweise das Mittel der ersten Wahl.

Nun bewegen sich fast alle Kinder ausgesprochen gerne, auch dann, wenn sie es „nicht sollen“. Folgt ein Kind seinem natürlichen Bewegungsdrang, so ist dies im Schulunterricht nicht gewünscht. Die Kinder sollen stillsitzen und sich konzentrieren. Kann ein Kind nicht stillsitzen und hat es Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, erhält es häufig die Diagnose ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom) und ein Rezept für Ritalin. Abgestempelt als „Zappelphilipp“!

Mit Sport die Symptome von ADHS lindern

Forscherinnen der Universität Regensburg fanden jedoch heraus, dass gezielte Bewegungsprogramme motorische und kognitive Fähigkeiten verbessern und die Symptome von ADHS lindern können. Man kann also durchaus sagen: Sport hilft ADHS-Patienten.

In einer weiteren Studie untersuchte man das Ergebnis an knapp 50 Kindern (ADHS-Patienten) in einer Altersgruppe von sieben bis zwölf Jahren. Die Forscherinnen teilten die Kinder in drei Gruppen ein. Gruppe 1 nahm an einem Programm teil, welches aus körperlicher Bewegung und Geschicklichkeitsübungen bestand. Die Gruppe 2 fokussierte sich rein auf Bewegung. Gruppe 3 als Kontrollgruppe nahm schließlich an keinem Bewegungsprogramm teil. Das Ergebnis überraschte, denn die ADHS-Symptome der Kinder in Gruppe 1 und Gruppe 2 hatten sich immens gebessert! Fazit: In jedem Fall sollte bei ADHS Sport als Behandlung der Symptome die Hauptrolle spielen. Es ist gar nicht wichtig, welcher Sport ausgeübt wird, es geht rein um die gesunde Bewegung.

Mit Sport gezielt gegen Hyperaktivität

Zappelige und unruhige Kinder stehen meist ständig unter Strom. Ihr nervöses Verhalten stört häufig den Schulunterricht, sie gelten schnell als „auffällig“. In der Regel dauert es nicht lange, bis der Kinderarzt dem betroffenen Kind starke Psychopharmaka verschreibt, die man als Eltern nach Studieren des Beipackzettels wahrscheinlich lieber wieder in die Apotheke zurückbringen würde…

Kindheit früher

Erinnere ich mich an Kindheit früher, so waren wir bei Wind und Wetter draußen, spielten, tobten, kamen nur kurz ins Haus, um etwas zu trinken – und waren auch schon wieder zum Spielen verschwunden, an der frischen Luft. Abends fiel man erschöpft (und zufrieden) ins Bett. Sicher saß man auch in der Schule still, aber der sportliche Ausgleich am Nachmittag war da, wenn es nach den Hausaufgaben oder jedes Wochenende raus zum Spielen und Toben ging.

Bewegen statt Psychopharmaka

Schon durch ein relativ kurzes Sporttraining können sich ADHS-Patienten besser fühlen! Lernaufgaben werden effektiver und motivierter bewältigt, was eine Pilotstudie von US-Forschern ergeben hat. Im Namen der Wissenschaft nahmen junge Männer mit ADHS auf einem Hometrainer Platz und strampelten zwanzig Minuten in die Pedale. Anschließend nahmen sie an einem Test für Aufmerksamkeit teil, mit einem spannenden Ergebnis! Bereits diese kurze Zeit bewies die positiven Effekte des Trainings! Laut der Forscher ist das Ergebnis sogar noch ausbaufähig, wenn noch länger andauernde Sportarten ausgeübt werden.

Das Gehirn wird stärker durchblutet, wenn wir uns körperlich betätigen. Es wird mit mehr Energie und Sauerstoff versorgt, wir fühlen uns fit, frisch und können uns besser konzentrieren. Kindern mit ADHS fällt es schwer, sich zu konzentrieren, oft handeln sie völlig impulsiv und können ihr Handeln nur schwer organisieren, oft mit gravierenden Folgen für ihr Sozialverhalten. Anstelle von Sport und körperlichem „Austoben“ erhalten viele Kinder und Jugendliche Ritalin mit den entsprechenden Auswirkungen. So verzögert Ritalin beispielsweise die Pubertät. Sind die Klassenkameraden schon längst in der Reife und bekommen viele Jungen ihren ersten Bartwuchs, sind Kinder, die Ritalin einnehmen, oft noch sehr kindlich. Für Jugendliche ist das nicht gerade erbaulich!

Sporttherapie ohne Nebenwirkungen, bzw. “Nebenwirkung Spaß”

Schon 20 Minuten Sport täglich wirken ADHS entgegen und helfen oftmals immens dabei, die Gedanken zu kanalisieren und zu bündeln! Sportarten, die viel Aufmerksamkeit und Konzentration benötigen, sind hierfür besonders geeignet, z. B. Tischtennis!

Auf jeden Fall kann Therapie-Sport enorm das Selbstwertgefühl stärken sowie die Selbstkontrolle und -steuerung fördern. Besonders geeignet sind hierfür:

  • Akrobatik und Jonglieren, z. B. Balancieren auf einer Slackline, Gehen auf Stelzen, Einrad fahren, etc. Oder Tricks mit dem Diabolo, Jonglieren mit Bällen oder Kegeln. Cup-Stacking, Dice-Stacking, Jo-Jo, etc. All diese Übungen steigern die Aufmerksamkeit und sind hervorragend für die Integration beider Gehirnhälften geeignet. Zudem führt das Kind etwas vor, erhält Applaus, was sein Selbstwertgefühl stärkt.
  • Das Trampolin – es ist ideal zur Selbstkontrolle und Selbststeuerung – es fördert die Bewegungsfreude.
  • Break-Dance oder Robot-Dance, für die körperliche Koordination und Konzentration hervorragend geeignet.
  • Kampfsportarten, wie z. B. Judo oder Karate, denn neben der Bewegung gelten hier feste Regeln sowie Disziplin. Eine klare Richtung wird vorgegeben und dient gut der Orientierung.
  • Wasserspringen – es fordert eine hohe körperliche Disziplin und wirkt ausgleichend sowie beruhigend. Wasser ist zudem der Ursprung allen Lebens.

Weitere geeignete Sportarten:

  • Ski (Langlauf)
  • Reiten

Liebe Leserinnen und Leser, gerade jetzt zur Zeit der Einschulung kann es geschehen, dass Kinder, die bis dahin ihrem natürlichem Bewegungsdrang nachkommen durften, mit dem Stillsitzen unter Umständen Probleme bekommen. Bitte behalten Sie immer in Gedanken, dass Bewegung natürlich ist – dass sie gut und wichtig ist und zum Leben dazugehört. Ermuntern Sie Ihr Kind zur Bewegung, wenn es einen langen Schultag hinter sich hat. Und vielleicht können Sie auch ein bisschen zusammen sporteln? Ihrem Kind wird es sicherlich Spaß machen!

Bis zum nächsten Mal – haben Sie eine gute Zeit!

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